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Nierenstein-Risiko? Erbsen besser als Sahnetorte

Nierensteine können höllisch wehtun. Die Übeltäter sind oft Folge von Stoffwechselstörungen und Infektionen der Harnwege. Welche Rolle die Ernährung spielt, erklärt Urologe Thomas Knoll


Das Steinrisiko senken: Mehr Gemüse statt Fett, sei es der Braten oder die Sahnetorte

Herr Professor Knoll, wer hat ein erhöhtes Risiko für Nierensteine?

Der typische Kandidat für Nierensteine hat Übergewicht, bewegt sich zu wenig und ernährt sich unausgewogen. Im Alltag spielen offenbar noch andere Faktoren eine Rolle. Denn manche Menschen müssten vom Typ her eigentlich Steine in der Niere bilden, tun es aber nicht. Umgekehrt passiert es manchmal auch da, wo man es nicht erwarten würde. Bei Patienten mit speziellen Stoffwechselstörungen oder erblichen Erkrankungen, die zur Steinbildung führen, liegen dagegen besondere Risikofaktoren vor.

Gilt also jemand, der beispielsweise gerne und viel fettes Fleisch, Wurst und Sahnetorte verzehrt, als vermehrt gefährdet?

Letztlich ja. Natürlich soll die Ernährung schmecken. Aber es gilt auch darauf zu achten, was für einen persönlich nicht so optimal ist, etwa bei Übergewicht zu viel Fettes und Süßes. Günstig sind Gemüse, Salat, pflanzliche Fette wie Olivenöl und wenig Fleisch. Stattdessen lieber ein, zwei Portionen Fisch pro Woche. Diese Richtung wird auch als Mittelmeerkost bezeichnet. Fleischlastige Ernährung übersäuert den Körper, die ausgeschiedene Harnsäure kristallisiert leichter aus, es können sich Steine bilden.



Professor Thomas Knoll, Chefarzt Urologische Klinik Sindelfingen, wirkt federführend an Leitlinien zur Diagnose, Therapie und Vorbeugung von Harnsteinen mit

Neben Fleisch enthalten ja auch eigentlich gesunde Nahrungsmittel wie Erbsen oder Brokkoli recht viele Purine, aus denen Harnsäure anfällt. Ist das nicht so relevant?

Wer viel Gemüse verzehrt, dessen Harn ist weniger sauer. Das lässt selbst die Purine in Erbsen, eine ausgewiesene Harnsäurequelle, verschmerzen, sofern man nicht gerade zur Gicht neigt. Auch gegen Tomaten ist, trotz der enthaltenen Oxalsäure, im Rahmen einer gesunden Mischkost nichts einzuwenden. Grundsätzlich stellt also ein ausgewogener Speiseplan kein Problem dar. Nur für den, der bestimmte Nahrungsmittel in übertriebenem Maße verzehrt und ein erhöhtes Harnsteinrisiko hat, können einige kritisch sein.

Sagen Sie uns bitte ein paar Beispiele!

Rhabarber beispielsweise enthält viel Oxalsäure. Allerdings kenne ich niemanden, der ständig viel Rhabarber oder auch Tomaten isst. Andere Nahrungsmittel wie Milchschokolade, Haselnüsse, Kakao, aber auch Tee, sind da schon eher zu nennen.

Also ist auch zu viel Süßes riskant?

Unbedingt! Zu viele Süßigkeiten machen dick. Übergewicht führt insgesamt zu einem erhöhten Steinbildungsrisiko, und Wohlstandserkrankungen wie die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, auch in Verbindung mit Übergewicht und ungünstigen Blutfettwerten, erhöhen das Risiko weiter. Das haben mehrere Studien eindeutig gezeigt.

Welche Rolle spielt der Alkohol?

Eher eine geringe. Insgesamt trocknet übermäßiger Alkoholgenuss jedoch den Körper aus, wenn nicht ausreichend andere Flüssigkeit wie Mineralwasser getrunken wird. Alkohol steigert die Harnausscheidung. Durch die Austrocknung steigt das Risiko einer Steinbildung.

Begünstigt auch Bewegungsmangel Nierensteine?

Ja, aber nur indirekt, als Folge des bereits genannten Übergewichts, zu dem der Bewegungsmangel ja beiträgt.

Gilt das alles für Männer und Frauen gleichermaßen?

Grundsätzlich ja, wobei außer bei Steinen, die mit Harnwegsinfekten zusammenhängen, Männer deutlich häufiger Harnsteine haben. Die Frauen holen aber auf, wie bei vielen anderen Erkrankungen.

Gibt es auch bei Kindern schon Nierensteine?

Nierensteine kommen auch bei Kindern vor, aber deutlich seltener als bei Erwachsenen. Der Altersgipfel der Harnsteinerkrankung liegt etwa zwischen 40 bis 65 Jahren. Bei Kindern stehen häufiger als bei Erwachsenen erbliche Stoffwechselerkrankungen im Vordergrund. Zum Teil kommt es dann zu seltenen Steinarten. Aber auch bei Kindern sind die Risikofaktoren Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel auf dem Vormarsch, weshalb künftig mit häufigerer Steinbildung aus diesem Grund bei ihnen zu rechnen ist.

Die größten Risiken?

Einerseits können akute, sehr schmerzhafte Nierenkoliken auftreten, wenn die Steine aus der Niere in den Harnleiter fallen und dort eingeklemmt werden. Daneben kommt es nicht selten zu Harnwegsinfektionen und Blut im Urin. Wiederholt auftretende Steine können die Nieren dauerhaft schädigen.

Die wichtigsten Vorbeugungsmaßnahmen?

Erstens: Trinken, Trinken, Trinken. Regelmäßig über den Tag und passend zur persönlichen Lebenslage. Ziel sollte eine Urinmenge von mindestens 1,5 Litern pro Tag sein, sofern medizinisch sonst nichts dagegen spricht. Der Büromensch muss allerdings nicht so viel trinken wie der Maurer im Hochsommer. Zweitens: Gewichtskontrolle mit einer gesunden Ernährung. Aber bitte nicht mit Blitz-Diäten.


Mehr Informationen zum Thema Harnsteine finden Sie hier bei Urologenportal.de

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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 01.02.2012, aktualisiert am 01.02.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, Fotolia/al62, Bernd Jürgens, Thinkstock/iStockphoto

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